Heimatschutz

Die Heimatschutzkräfte der Bundeswehr – Regimenter, Aufgaben und Einstieg

Kleine Geschichte des Heimatschutzes

Der Heimatschutz der Bundeswehr hat eine wechselvolle Geschichte. In der Bundeswehr begann 1961 der Aufbau einer Territorialreserve als Teil des Territorialheeres, die ab 1965 als Heimatschutztruppe bezeichnet wurde und in der hauptsächlich Reservisten dienten. Mitte der 1970er Jahre zählte die Truppe über 100.000 Mann, gegliedert in Heimatschutzkommandos und Heimatschutzregimenter. 1981 wurden diese in Heimatschutzbrigaden umgegliedert. Nach Ende des Kalten Krieges wurden sie bis 1993 außer Dienst gestellt, Restbestände als Heimatschutzbataillone blieben bis zum 1. April 2007 bestehen. 2011 zog die Verkleinerung der Bundeswehr politische Bedenken nach sich. Mit der Konzeption der Reserve (KdR) von 2012 wurde die Aufstellung von Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften (RSUKr) beschlossen. Am 15. Juni 2012 wurde in Bremen die erste RSU-Kompanie aufgestellt, weitere folgten 2013. Ein Pilotprojekt begann am 1. April 2019 mit dem Landesregiment Bayern. Zum 1. August 2021 wurden alle RSU-Kompanien in Heimatschutzkompanien (HSchKp) und das Landesregiment in Heimatschutzregiment 1 umbenannt. (Quelle: Wikipedia, Heimatschutz (Bundeswehr), CC BY-SA 3.0)

Der Heimatschutz heute – Die Heimatschutzdivision

Am 14. März 2025 wurde die Heimatschutzdivision (HSchDiv) als teilaktive Division in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin aufgestellt. Sie ist neben der 1. Panzerdivision, der 10. Panzerdivision und der Division Schnelle Kräfte die vierte Division im deutschen Heer und dem Kommando Heer unterstellt. Erster Kommandeur ist Generalmajor Andreas Henne. Seit dem 1. April 2025 sind alle Heimatschutzregimenter und Heimatschutzkompanien der Heimatschutzdivision zugeordnet. Der Operationsraum der Heimatschutzkräfte ist – im Gegensatz zum Feldheer – auch im Verteidigungsfall ausschließlich das deutsche Staatsgebiet. Die Division soll eine Stärke von 6.000 Soldaten erreichen. Mittelfristig ist die Aufstellung von bis zu zwölf Heimatschutzregimentern geplant. (Quellen: bundeswehr.de, Wikipedia Heimatschutzdivision, CC BY-SA 3.0)

Die 6 Heimatschutzregimenter

Die Heimatschutzdivision gliedert sich in sechs teilaktive Heimatschutzregimenter. Jedes Regiment besteht aus einer Stabs- und Versorgungskompanie, einer Unterstützungskompanie, einer Ausbildungskompanie und mehreren Heimatschutzkompanien mit regionaler Bezeichnung (z. B. HSchKp Nordhaide). Jedes Regiment umfasst 8 bis 15 Kompanien mit etwa 800 bis 1.100 Soldaten:
  • Heimatschutzregiment 1 – Roth (Bayern) – 15 Kompanien, inkl. Baden-Württemberg. Aufgestellt August 2021 aus dem Landesregiment Bayern
  • Heimatschutzregiment 2 – Münster (Nordrhein-Westfalen) – Kompanien aus NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland. Aufgestellt Februar 2022
  • Heimatschutzregiment 3 – Nienburg/Weser (Niedersachsen) – Kompanien aus Niedersachsen und Bremen. Aufgestellt Oktober 2023
  • Heimatschutzregiment 4 – Alt Duvenstedt (Schleswig-Holstein) – Kompanien aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Aufgestellt September 2024
  • Heimatschutzregiment 5 – Ohrdruf (Thüringen) – Kompanien aus Hessen, Thüringen und Sachsen. Aufgestellt Oktober 2024
  • Heimatschutzregiment 6 – Möckern/Altengrabow (Sachsen-Anhalt) – Kompanien aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Aufgestellt Oktober 2025

Aufgaben der Heimatschutzkräfte

Der Auftrag der Heimatschutzkräfte ist nach Aktivierung der Einsatz zu Schutz- und Sicherungsaufgaben sowie Objektschutz im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung:
  • Schutz kritischer Infrastruktur – Bewachung und Absicherung wichtiger Einrichtungen wie Energieversorgungsanlagen, Kommunikationszentren und militärischer Standorte
  • Wach- und Sicherungsaufgaben an militärischen Anlagen und Einrichtungen, Betreiben von Checkpoints
  • Katastrophenhilfe im Rahmen des Artikels 35 Grundgesetz – Unterstützung bei Hochwasser, Waldbränden oder extremen Wetterereignissen
  • Host Nation Support – Unterstützung und Aufmarschunterstützung verbündeter NATO-Streitkräfte bei Verlegungen durch Deutschland
  • Erhalt der inneren Sicherheit in Kooperation mit Polizei und Katastrophenschutz
  • Unterstützung der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (ZMZBw)

Einstieg in den Heimatschutz

Es gibt drei Wege in den Heimatschutz. Erstens: Der Freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz (FWDL) – eine aktive Dienstzeit von sieben Monaten mit Grundausbildung, erweiterter allgemeinmilitärischer Ausbildung und Dienstpostenausbildung. Anschließend wird man als beorderter Reservist in der Heimatregion eingesetzt. Zweitens: Die Ausbildung Ungedienter zum Wach- und Sicherungssoldaten – eine modulare Grundausbildung von ca. 20 Tagen parallel zum zivilen Berufsleben, die mit dem Feierlichen Gelöbnis endet. Danach folgt die ergänzende allgemeinmilitärische Ausbildung sowie die Dienstpostenausbildung. Drittens: Ehemalige Soldatinnen und Soldaten können sich direkt in eine Heimatschutzkompanie beordern lassen – eine erneute Grundausbildung ist nicht notwendig, es erfolgt die ergänzende allgemeinmilitärische Ausbildung und Dienstpostenausbildung im Heimatschutz. Alle gesundheitlich geeigneten deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zwischen 17 und 65 Jahren können teilnehmen. Kontakt: Karriere-Hotline 0800 980 08 80 (kostenlos).

Ausbildung im Heimatschutz

Die Ausbildungsinhalte im Heimatschutz umfassen:
  • Grundausbildung Ungedienter (ca. 20 Tage) – vereinbar mit Zivilleben und Familie, endet mit dem Feierlichen Gelöbnis
  • Allgemeinmilitärische Ausbildung – modular in zwei bis drei Blöcken zu je drei oder vier Tagen, plus sechs bis sieben Tage auf einem Truppenübungsplatz
  • Umgang und Schießen mit Handwaffen (G36, P8, MG3, Panzerfaust 3)
  • Wach- und Sicherungsausbildung, Raum- und Objektschutz, Betreiben von Checkpoints
  • Gefechts- und Geländedienst, Orientieren im Gelände, Biwak
  • Sanitätsausbildung Einsatzersthelfer, ABC-Abwehr und Brandschutz
  • Fernmeldeausbildung Truppenfernmeldedienst
  • Politische Bildung, Innere Führung, Wehrrecht und Formaldienst
  • Individuelle Grundfertigkeiten (IGF) und körperliche Leistungsfähigkeit (KLF)
  • Dienstpostenausbildung – qualifiziert für die spezifische Fachverwendung in der Heimatschutzkompanie

Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZBw)

Die Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr ist ein eigenständiger Aufgabenbereich und breites Betätigungsfeld für Reservistinnen und Reservisten. In Notlagen oder bei Katastrophen kann die Bundeswehr im Regelungsrahmen des Grundgesetz-Artikels 35 (Abs. 2 und 3) nach Anforderung durch den zuständigen Krisenstab zu Hilfe gerufen werden. Mit Material und Personal unterstützt die Bundeswehr dann die zivilen Hilfseinrichtungen wie Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk. Engagierte Reservistinnen und Reservisten stehen den Kreisverwaltungen als militärische Beraterinnen und Berater zur Seite. Die Beauftragten der Bundeswehr für ZMZBw kennen ihre Heimat und die Verbände vor Ort – sie vermitteln im Krisenfall die richtigen Ansprechpartner und beraten zu möglichen Hilfe- und Unterstützungsleistungen der Bundeswehr.